Messung von Stand- und Fahrgeräusch aus polizeilicher Praxis


Erstellt am: 04 May 2021

Auf den Servern des Bundesumweltamts findet sich eine sehr eindrückliche Präsentation, die sehr schön die Zusammenhänge zwischen Standgeräuschmessung (SGM) und Fahrgeräuschmessung (FGM) sowie die Probleme bei der Messung dieser Lärmgrößen bei Polizeikontrollen darstellt. Alle, die hoffen, man könnte das Problem Motorradlärm einfach durch mehr Polizeikontrollen in den Griff bekommen, erhalten hier wertvolle Hinweise und Einschätzungen seitens eines in Punkto Motorradlärm sehr erfahrenen Polizeibeamten.

Albert Lechner von der Verkehrspolizei der Polizeidirektion Sigmaringen hat schon im Jahr 2010 auf den “verlorenen Kampf” gegen den Motorradlärm hingewiesen. In seiner Präsentation beschreibt er die Tücken bei der Messung von Motorradlärms, die Tricks der Hersteller bzw. Motorradfahrer und die Unzulänglichkeit der geltenden Gesetze und Verordnungen. Das geht richtig ins Detail, ist aber hochinteressant, weil seine Ausführungen sehr dazu beitragen, das Spektrum effektiver (und auch nutzloser) Maßnahmen gegen den Motorradlärm mit belastbaren Fakten zu unterlegen.

Neben viel Hintergrundwissen, Beschreibung der Meßverfahren und möglicher technischen Manipulationen listet Albert Lechner auch konkrete Meßergebnisse verschiedenen Motorradtypen auf und zeigt dabei sehr gut, dass hohe Standgeräuschwerte immer mit zu hohen (realen!) Fahrgeräuschwerten korrelieren.

Die Präsentation von Albert Lechner kann man als PDF hier ansehen.

Die Aussagen aus dem Jahre 2010 passen übrigens sehr gut auch zu den aktuellen Untersuchungen des Umweltbundesamts (UBA). In einer neuen Studie hat das UBA durch umfangreiche Messungen bewiesen, dass das reale Fahrgeräusch und das gemäß der geltenden Bestimmungen gemessen Fahrgeräusch eines Motorrads durchaus 20 Dezibel voneinander abweichen können.

Sprich: Nach geltenden Bestimmungen wird für ein Motorrad z.B. ein Fahrgeräuschwert von knapp 80 Dezibel ermittelt, in der Realität kann das gleiche Motorrad durch eine veränderte (sportliche) Fahrweise dann aber auch fast 100 Dezibel laut sein. Das entspricht einer 4-fach lauteren Geräuschbelastung (weil die Einheit Dezibel auf einer logarithmischen Skala erfolgt und eine Erhöhung um 10 Dezibel einer Verdopplung der gefühlten Lautstärke entspricht).

Die entsprechende Studie des Umweltbundesamtes findet man hier.

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