Aktuell: Bundestags-Petition zur Einrichtung von Lärm-Umweltzonen 

Mitzeichnen - Wie geht das?
Unsere 
Petition zur Einrichtung regionaler Lärm-Umweltzonen für Erholungsgebiete wurde innerhalb von 4 Wochen von über 1000 Mitzeichnern unterstützt. Die Petition, die nun vom Bundestags-Petitionsausschuss geprüft wird, fordert niedrigere, effektive und nicht umgehbare Lärmgrenzwerte in zukünftig als Lärm-Umweltzonen ausgewiesenen Erholungsgebieten, auch für ältere Fahrzeuge. Vielen Dank an alle, die die Petition unterstützt haben!

Die Petition richtet sich ausdrücklich nur gegen besonders laute Fahrzeuge (zum Beispiel absichtlich laute Motorräder, Sportwagen mit absichtlich lauten Sport-Auspuffanlagen, Quads, Powerboote oder lautstarke Fluggeräte), die in Beschleunigungsphasen, Hochgeschwindigkeitsfahrten bzw. bei Steigflügen oder in niedriger Flughöhe außergewöhnlich laute, aber eigentlich vermeidbare Dezibel-Werte ausstrahlen.

Diese Fahrzeuge dürfen heute - auch ohne verbotene Manipulationen an der Technik – allein aufgrund löchriger oder veralteter Lärmschutzvorschriften, aufgrund von teilweise unerklärlichen EU-Typgenehmigungen oder aufgrund von Bestandsschutz so laut sein, dass ganze Gegenden, Täler, Bergstraßen oder Seen in Erholungsgebieten lärmverschmutzt und damit entwertet werden. 

Anders als eine Verschärfung von Lärmschutzvorschriften, die ja immer nur für Neufahrzeuge gelten, haben Lärm-Umweltzonen den Vorteil, dass Sie auch für Bestandsfahrzeuge gelten, also auch für bereits zugelassene bzw. ältere Fahrzeug, die ja im Allgemeinen die lautesten Lärmemissionen ausstrahlen.

Weitergehende Infos:
>> Grundlagen (und Kritik) von Lärmmessungen bei Fahrzeugen 
>> So tricksen die Hersteller bei den Lärmmessungen (Schweizer Fernsehen)
>> Gyrocopter Rundflüge über dem Feldberg im Schwarzwald
>> Verlorene Stille (Fernseh-, Radio- und Presseberichte zum Thema Lärm)


Allgemeine Zielsetzung der Initiative "Rettet die Stille"

Ausgehend vom Baden-Württemberg setzt sich die Initiative „Rettet die Stille“ für einen wirksameren Lärmschutz in Erholungs- und Wohngebieten ein. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf motorisierten Sportgeräten, von deren Betrieb nur wenige Personen profitieren, deren Lärmemissionen aber eine große Anzahl von Menschen belästigen. Beispiele hierfür sind motorisierte Sportgeräte wie Privatflugzeuge, Leichtflugzeuge, Gyrocopter, Motorräder und auch Sportwagen, deren Auspuffanlagen ähnlich wie bei Motorrädern oft absichtlich auf „satten“ Sound getunt werdenZiel der Initiative ist es, ein Dach für die vielen lokalen und regionalen Lärmschutzgruppen zu bieten und eine Lobby für den Lärmschutz zu bilden. 

Dass man Lärm eines Tages "ebenso unerbittlich wird bekämpfen müssen wie die Cholera und die Pest", hat Nobelpreisträger Robert Koch bereits im Jahr 1905 prophezeit. Lärm beeinträchtigt das Wohlbefinden des Menschen und macht krank. Zermürbend und schwer gesundheitsgefährdend ist Lärm dann, wenn man ihm nicht entweichen kann, nicht einmal in Erholungs- oder Wohngebieten. 

Jede Form der motorbetriebenen Mobilität ist beim derzeitigen technologischen Entwicklungsstand mit Lärmemissionen verbunden. Auf der anderen Seite bringt die Mobilität unserer Gesellschaft große Vorteile. Der durch sie verursachte Lärm kann toleriert werden, solange ihr Nutzen in einem vernünftigen Verhältnis zum verursachten Schaden steht.

Der Nutzen und die Freiheit des Einen kann gleichzeitig der Schaden und die Unfreiheit des Anderen sein. In einem demokratischen Staat ist auch bezüglich der Mobilität auf einen Ausgleich der Interessen aller Beteiligten zu achten. Da der Mensch für sein Wohlbefinden lärmfreie Rückzugsräume benötigt, muss es außerdem genügend Lebensräume geben, die nicht mit Lärmteppichen überzogen sind.

Flächen neben Schnellstraßen und Autobahnen, Bahnstrecken oder in der Nähe von An- und Abflugschneisen von Großflughäfen lassen sich wohl, sofern überhaupt, nur langfristig lärmberuhigen. Hier werden zwar viele Menschen durch Lärmemissionen belästigt, aber gleichzeitig profitieren sehr viele Menschen von den entsprechenden Verkehrsinfrastrukturen. Daher werden Lärmemissionen durch derartige Verkehrsinfrastrukturen gesellschaftlich akzeptiert, allerdings nur, solange alles technisch Mögliche zu deren Begrenzung unternommen wird und sie nicht stetig zunehmen oder durch Neuplanungen zu Lasten der Anwohner ausgeweitet werden.

Anders sieht es bei einigen freizeitorientieren Motorsportarten aus. Hier werden ebenfalls sehr viele Menschen durch Lärmemissionen belästigt, aber nur sehr wenige, nämlich nur die Wenigen, die diesen Sport ausüben, profitieren von diesen Sportarten.

Ein prägnantes und allseits bekanntes Beispiel ist der Motorradsport. Motorradfahrer unternehmen bevorzugt ausgedehnte Touren in Urlaubs- und Erholungsgebieten und entwerten ganze Täler und Regionen durch ihre Lärmemissionen. Viele Motorradfahrer sagen unumwunden, dass gerade der Motorenlärm ein Teil ihres Vergnügens ist. Deshalb, und weil die gesetzlichen Vorschriften viel zu hohe Lärmpegel bei Motorrädern zulassen, werden die Maschinen oft noch zu besonders hohen Lautstärken „getuned“.

Ein weiteres Beispiel für eine Freizeitbetätigung, von der nur relativ wenige Menschen profitieren aber sehr viele Menschen belästigt werden, ist der Motorflugsport. Privatflugzeuge, Fallschirmspringerabsetzmaschinen und Ultraleichtflugzeuge sowie Gyrocopter starten und landen vor allem an Wochenenden auf kleinen Flugplätzen und oft in der Nähe von Wohngebieten ununterbrochen, oft nur zu Ausbildungszwecken. Oder die Motorflieger unternehmen ausgedehnte Ausflüge in Umgebungs- und Erholungsgebiete. Der dabei entstehende Fluglärm wirkt sehr laut und für die Menschen sehr störend, da er aus geringer Höhe auf große Flächen einwirkt. Hinzu kommen die oft kreisenden Flugbahnen und die langsamen Geschwindigkeit der Sportflugzeuge, die für Minuten anhält, gerade bis der nächste Sportflieger komm

Fallschirmspringerabsetzmaschinen sind besonders unangenehm, da sie sich durchgehend entweder im lautstarken Steig- oder Sinkflug befinden. Auch das Fallschirmspringen wird bevorzugt abends oder an Wochenenden sowie an Feiertagen betrieben, ohne Rücksichtnahme auf die Wohn- oder Erholungsgebiete am Boden. 

Neue technologische Entwicklungen lassen befürchten, dass uns zukünftig privat und gewerblich genutzte ferngesteuerte Drohnen zusätzliche Lärmquellen in der Luft - dort besonders in niedrigen Flughöhen - bescheren.

Auf Seen z.B. in Erholungsgebieten fallen lärmende Privat-Motorboote in die Kategorie von „Verkehrsarten“, von denen wenige profitieren und viele beeinträchtigt werden.

Durch die erfolgreiche Lobbyarbeit von Herstellern und Motorsportvereinen werden oft Bestrebungen, die Lärmbelästigungen durch gesetzliche Beschränkungen einzuschränken, ausgehebelt. So sind Lärmgrenzwerte für Motorradfahrer in den entsprechenden Verordnungen so formuliert, das sie praktisch keine Schutzwirkung bieten. 

Für den Flugsport gelten oft großzügige Regelungen, wie zum Beispiel der Bestandsschutz, der nahezu grenzenlosen Lärm für ältere Flugzeuge ermöglicht. Aber auch für neu zugelassene Fluggeräte liegen die Grenzwerte deutlich oberhalb der Werte, die für Gewerbe-, Sport oder Freizeitlärm aus Nachbarschaften am Boden gelten.

Wo gibt es lärmfreie Rückzugsgebiete, in denen Menschen sich vom Alltagsstress erholen können? Im großen Maßstab gibt es weitläufige Landschaften zwischen den großen Verkehrswegen und im kleineren Maßstab gibt es die Wohn- und Erholungsgebiete der Städte und Gemeinden, die in ausreichenden Abständen zu Durchgangsstraßen und Bahntrassen gelegen sind. Es ist nicht akzeptabel, dass diese Flächen durch wenige Betreiber von Motorsportarten mit Lärmteppichen überzogen werden. 

Ein solcher „Verkehrslärm“, der in Wirklichkeit ein „Freizeitlärm“ ist, muss von der Gesellschaft nicht akzeptiert werden: das Verhältnis von Vorteilsnehmern und Leidtragenden stimmt hier überhaupt nicht und die Egoismen der Verursacher sind inakzeptabel. Die in vielen Bundesländern angewandte Freizeitlärm-Richtlinie regelt nur Lärmgrenzen für stationäre Freizeitanlagen. Bei motorisierten Sportgeräten sind sie wirkungslos.

Hinzu kommt, dass sich die Leidtragenden diesen Lärmquellen kaum entziehen können, da der Motorradsport in fast allen hügeligen oder bergigen Erholungsgebieten Deutschlands betrieben wird, da private Fluggeräte flächenmäßig fast jede Region in Deutschland erreichen und der Lärm von Motorbooten aus physikalischen Gründen große Uferregionen negativ beeinträchtigt.

Da ein generelles Verbot der aufgeführten Motorsportarten unrealistisch ist, setzt sich unsere Initiative dafür ein, derart schädliche Freizeitbetätigungen in Erholungs- und Wohngebieten kontinuierlich strenger werdenden Lärmschutzregelungen zu unterwerfen. Dabei sind insbesondere die ruhesensiblen Zeiten an Sonn- und Feiertagen sowie die Mittags- und Feierabendzeit vom Freizeitlärm frei zu halten.

Auch sind oft Lärmreduktionen durch technische Maßnahmen möglich (Elektromotor, Flüsterpropeller, Motorkapselung, etc.). Wenn aber von gesetzlicher Seite aus kein Zwang zu Verbesserungen ausgeübt wird, vermeiden sowohl Hersteller als auch Betreiber die damit verbundenen Kosten. 

Die Initiative möchte zwischen Lärmverursachern und Lärmbetroffenen vermitteln und die politischen Entscheidungsträger in Deutschland und Europa für eine strengere Gesetzgebung zum Wohle aller lärmbetroffenen Menschen gewinnen. Ausdrücklich wendet sich die Initiative nicht gegen Kinderspielplätze, Kinderlärm oder ähnlich gesellschaftlich akzeptierte Lärmquellen. 

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