AMG-typisches Röhren

In der gedruckten F.A.Z. und auch in der Online-Ausgabe vom 15.4.2016 ist ein Bericht über das neue S-Klasse Cabrio erschienen. Darin findet sich der folgende Satz: 

„Mit 585 PS wird das 5-Meter-Gefährt in 3,9 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt, mit AMG-typischem Röhren. Immerhin – die Technik macht es möglich, dass der Sound per Knopfdruck auf eine nachbarschaftsfreundliche Geräuschkulisse reduziert wird.“


Dazu haben wir einen Brief an das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
in Berlin geschickt, der nachfolgenden abgedruckt ist. Eine Kopie ging auch an den Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG.






An das
Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
11055 Berlin

17. April 2016

Absichtliche Erhöhung der Geräuschemissionen beim neuen S-Klasse Cabrio von Mercedes Benz

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der gedruckten F.A.Z. und auch in der Online-Ausgabe vom 15.4.2016 ist ein Bericht über das neue S-Klasse Cabrio erschienen. Darin findet sich der folgende Satz: 

„Mit 585 PS wird das 5-Meter-Gefährt in 3,9 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt, mit AMG-typischem Röhren. Immerhin – die Technik macht es möglich, dass der Sound per Knopfdruck auf eine nachbarschaftsfreundliche Geräuschkulisse reduziert wird.“


Ich interpretiere den Satz so, dass die Lärmemission dieses Fahrzeuges absichtlich durch Geräuschverstärker erhöht wird, obwohl das für den Betrieb und die Leistung des Fahrzeuges nicht notwendig ist. Zudem darf man vermuten, dass nicht alle Fahrer den Knopf zum Ausschalten der Kracherzeugung betätigen werden.

Hinweise auf derartige Lärmverstärker (frequenzmäßig oft auch bis in den besonders störenden tieffrequenten Bereich hineinreichend) findet man auch bei anderen Fahrzeugherstellern (Porsche, Audi, etc.).

Es sollte doch bekannt sein, dass es aufgrund der dichten Besiedlung in Deutschland fast nirgendwo mehr eine Straße gibt, die nicht in irgendeiner Weise von Anwohnern, Arbeitnehmern, Erholungssuchenden oder z.B. auch Tieren in der Natur gehört wird. Die absichtlich erzeugte Soundverstärkung dieser Fahrzeuge führt also immer zu einer unnötigen Belästigung anderer Menschen bzw. Tiere, nicht nur in der Nachbarschaft des Autobesitzers.

Wenn den Autoherstellern hier die notwendige Einsicht in eine Rücksichtnahme auf Mensch und Natur fehlt, dann ist es doch zwingend, eine derartige Technologie zur absichtlichen Erhöhung der Lärmemissionen sofort durch eine entsprechende Verordnung oder Gesetzgebung zu verbieten. 

Den Einwand, dass auch bei Einsatz der Lärmverstärker die gesetzlichen Lärmemissionswerte nicht überschritten wird, kann in einer zivilisierten Gesellschaft doch kein klardenkender Mensch ernsthaft aufrechterhalten. Insbesondere, da nachweislich viele Menschen unter dem Verkehrslärm gesundheitlich leiden und sich ja mit jedem zusätzlichen Fahrzeug die Lärmbelästigung aufaddiert. Es muss doch darum gehen, die Lärmbelästigung von Fahrzeugen auf das absolute und technische mögliche Minimum zu reduzieren, nicht den Verkehrslärm absichtlich lauter zu machen.

Ich bitte um Stellungnahme ihres Ministeriums zu folgenden Fragen:
  1. Ist dem Ministerium diese Lärmerhöhungs-Technologie bekannt?
  2. Welche Position bezieht das Ministerium zu dem Einsatz dieser Technologie?
  3. Ist eine entsprechende Gesetz- oder Verordnungsinitiative im Gange oder geplant, die der Autoindustrie die absichtliche und technisch unnötige Erhöhung der Fahrzeug-Lärmemission verbietet?
  4. Falls die Antwort zu 3. negativ ist, bitte ich um eine Einschätzung des Ministeriums, warum hier nichts unternommen wird.
Für eine zeitnahe Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Mit freundlichen Grüßen

Kristian Raue



Kopie an 
-  Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG.